Shuttle - Das Spiel für Spezialisten

 

Nachdem Starbyte "Space Max" einchecken hat lassen, schmeißt Virgin nun sein "Shuttle" auf den Markt. Das erste, was einem direkt ins Auge springt (Aua), ist ein umfangreiches deutsches Handbuch, ein Einsatzbuch, ein Poster mit der kompletten Instrumentierung des Shuttles (habe ich was vergessen ?) und natürlich die Disketten. Dies alles sollte man sich in einigen ruhigen Tagen zu Gemüte führen. Richtig gehört, denn solange braucht es sicher, um nur ansatzweise einen Überblick zu bekommen. Am besten eine Woche Urlaub nehmen, Telefon ausstecken und ausreichend für Nahrung und Trinken sorgen.

Die Aufgabe des, wenn möglich NASA geprüften (muss nicht sein, hilft aber ungemein), Piloten besteht in der ersten Mission (es gibt 12) darin, den Gleitflugtest des Shuttles vom Rücken einer Boing 747 mit anschließender Landung ohne geistigen Schaden zu bestehen. Wem das noch nicht langt, der hat noch mehr Möglichkeiten sich endlos zu langweilen: Testflüge im All, Aussetzen und Einholen von Satelliten oder Teleskopen und die Reparatur derselbigen, Sonnenkollektoren und Besatzungskapseln wie Lego zusammenstecken, sich in einem Raumanzug im Weltall verlaufen, bis hin zu einer Instrumentenlandung. Aufgrund nicht vorhandener Landschaftstexturen wäre es anders auch schwer nachzuvollziehen.

Der absolute Höhepunkt aber ist die an Realitätsfetischismus und beinahe Wahnsinn grenzende Echtzeit-Simulation. Wenn man die Mission mit dem Transport beginnt, kann es Stunden dauern, bis das Shuttle "da oben" angekommen ist. Als Trost ist zu sagen, das auch eine Zeitrafferfunktion vorhanden ist, mit der sich der müde Haufen mobilisieren läßt einen Gang zuzulegen.

Zu Ehrenrettung der Virgin Crew muss man ihnen zugestehen, das sie mit dem aus 9 Instrumententafeln bestehende Cockpit, das dem NASA Vorbild sehr nahekommt und bei dem fast jeder Knopf eine Funktion hat, die der Realität am nächsten kommende Simulation erschufen, die es zur Zeit gibt. Dafür musste natürlich an einigen Dingen gespart werden: an der Landschaftsgrafik, am Sound. Motivation kommt bei dem Spiel erst gar nicht auf.

  Grafik: Ein Glück, das die Simulation der VGA Karte wenigstens 16 der vorhandenen 256 Farben entlockt (obwohl, schwarz/weiß wäre auch kein großer Unterschied)
  Sound: Den stellt man am Besten aus, bringt eh nichts
  Realismus: Maßlos übertrieben, Pilotenausbildung erforderlich; wer den Shuttle mit den "paar" Knöpfen (weit über 100) wirklich steuern kann, bekommt von uns ein Empfehlungsschreiben an die NASA
  Spielzeiz: An sich keiner vorhanden, da man im Prinzip nichts anderes zu tun hat, als die Schaltpulte zu suchen und daran herumzuexperimentieren (selbst für Simulationsfanatiker entnervend)

Gesamteindruck:

Für Leute mit viel Geduld, Liebe zum Detail und einer Menge Zeit vielleicht zu ertragen, dem Rest der Menschheit empfehle ich eine sinnvollere Freizeitgestaltung.